Spucke
Sollte ich die niederländische Sprache mit drei Worten beschreiben (auch wenn das bei meinen jetzigen Sprachkenntnissen natürlich völlig vermessen ist), ich würde sie frech, unbekümmert und luftig nennen. Verschrobene deutsche Schachtelsätze gibt es nicht, sie werden aufgelöst in einfache, klare Sinneinheiten. Die einzelnen Sätze sind leicht verständlich und einfach aufgebaut. Wenn ein Sachverhalt kompliziert ist, werden mal eben ein paar Füllworte eingesetzt. Sie verlangsamen den Lesefluss und helfen somit beim Verständnis.Frech ist die Art, in der mit Fremdwörtern umgegangen wird. In einem Land, das Kinofilme und Fernsehserien ausschließlich mit Untertiteln kennt, werden diese einfach assimiliert. Entweder werden sie umschrieben und schon von den Autoren in ihrem Sinn gedeutet, oder der Terminus wird einfach in Kursivschrift gedruckt, in der Annahme, dass jeder den Begriff ohnehin kennt.
Das Besondere an der Sprache wird vor allem deutlich, wenn es um Meinungsäußerungen geht. Wenn man etwa ein Interview liest, realisiert man erst nach mehreren Absätzen, dass man gerade über eine radikale Meinung gestolpert ist. Viele Sätze kommen so leicht und flockig daher und lesen sich so geschmeidig, dass man gar nicht vermutet, dass sich dahinter vielleicht eine ungewöhnliche Anschauung verbirgt. Und dann geht es einem wie mit einem sehr trockenen Stück Brot: Man muss erst ordentlich Spucke im Mund ansammeln, um das Brot herunterschlucken zu können.
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